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5. Januar 2014

REZENSION // Es wird keine Helden geben - Anna Seidl


Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Oetinger (20. Januar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 378914746X
ISBN-13: 978-3789147463




    Berührend, fesselnd, unfassbar: Wenn nichts mehr ist, wie es war. Kurz, nachdem es zur Pause geläutet hat, hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was eigentlich passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Auch Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Miriam überlebt - aber sie fragt sich, ob das Leben ohne Tobi und mit den ständig wiederkehrenden Albträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Waren sie und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe? Das großartige Debüt von Anna Seidl, die erst 16 Jahre alt war, als sie diese aufwühlende Geschichte geschrieben hat: eine intensive Auseinandersetzung mit den Folgen eines Amoklaufs für die Überlebenden, mit Schuld und Trauer, schonungslos erzählt.

     
    Schicksal! Das ist wohl das Wort, das mir gleich zu Beginn, bereits nach den ersten 3 Sätzen in den Sinn kam. Ich gehöre wohl zu den Menschen, die an Schicksal glauben. Verkettungen unglücklicher Zufälle nennen es die anderen vielleicht, Für mich jedoch geschieht nichts im Leben „einfach nur so“.
    Aber war es wirklich Schicksal? Diese Frage beschäftigte mich während des gesamten Romans ... und auch noch lange danach ...
    Schon auf der ersten Seite war ich erstaunt über die kraftvollen und ausdrucksstarken Worte der (zu dem Zeitpunkt) 16 jährigen Autorin Anna Seidl.
    Rückblenden in Form von Erinnerungen an Ereignisse vor dem Amoklauf zeigten mir den ganz normalen, grundsätzlich glücklichen Teenageralltag der Protagonistin Miriam. Immer wieder wird man aber zurück gerissen in die Gedanken und Gefühle die Miriam nun nach diesem schrecklichen Amoklauf beschäftigen. Ein heftiger Kontrast, der mich als Leser in ein regelrechtes Gefühlschaos zog.
    So glücklich diese Erinnerungen auf den ersten Blick scheinen, man lernt Miriam und ihre Freunde, insbesondere natürlich ihrer toten Freund Tobi auch von einer hin und wieder doch gemeinen Seite kennen und so regten sich bei mir schnell die gleichen Gedanken, wie sie die Protagonistin mit sich tragen muss. Wieso kam es zu dem Amoklauf und wer trägt Schuld daran? Schuld – das ist eine der großen Fragen, die es für Miriam zu beantworten gilt. Doch nicht nur für sie ...
    Die tiefen Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonistin, wie auch die Handlungen ihrer Freunde wirkten auf mich gleichermaßen realistisch und verstörend.
    Wie Episoden wechseln sich in diesem Roman die Rückblicke in das Leben VOR dem Amoklauf mit dem Hier und jetzt im Schatten der Tragödie ab und tief berührt erlebte ich, wie sich Miriam Schritt für Schritt ein wenig Glück und Normalität zurückerkämpft.
    Immer im Hinterkopf wie jung die Autorin ist muss ich gestehen, dass ich schwer beeindruckt von der Intensität dieser Geschichte war. DAS hätte ich nicht erwartet. Mir war klar, dass dieses Thema mich nicht unbeeindruckt zurücklassen würde ... auf diese Emotionen war ich allerdings nicht gefasst.
    Hier geht es nicht um ein Einzelschicksal und auch nicht um richtig und falsch. Wenige Minuten verändern nicht nur das Leben eines Menschen oder einiger Schüler ... Hier geht es um soviel mehr und jeder für sich kämpft …. Gewinnt ... oder verliert.
    Gibt es irgendetwas, das mich an diesem Roman nicht beeindruckt hat? Die Antwort ist ein ganz klares NEIN! Ich war vom kraftvollen und sicheren Schreibstil der jungen Autorin ebenso beeindruckt, wie ich von der Story ergriffen und erschüttert war. Die Figuren dieses Romans, allen voran natürlich die Protagonistin Miriam, sind nicht nur sehr gut ausgearbeitet, sondern auf fast erschreckende Art realistisch und ihre Angst, Sorge, Verzweiflung und Hoffnung nahezu spürbar.




    „Es wird keine Helden geben“ ist ein Roman, der mich durch seine Intensität noch nachhaltig beschäftigt hat. Eindringlich wird man hier mit einem Thema konfrontiert, dass man sonst nur aus den Nachrichten kennt und kommt nicht umhin, auch seine eigenen Gedanken zu diesem Thema zu vertiefen. Anna Seidl verdient meinen größten Respekt für diese eindringliche Geschichte, die schon jetzt zu meinen Lese-Highlights 2014 gehört.

    ©Nicole Huppertz (the-cinema-in-my-head.blogspot.de)

    Von mir gibt es

    5 von 5 Bookystars 







    Kommentare:

    1. Super Rezi, das Buch ist diese Woche auch schon auf meiner Wunschliste ganz weit oben gelandet!

      Ganz liebe Grüße
      Juliana

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    2. Sehr schön geschrieben! Ich kann mich dir nur anschließen.

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    3. Eine sehr schöne Rezension, mir hat es auch sehr gut gefallen und es ging mir richtig unter die Haut!
      Ich bin schon auf deinen Beitrag morgen gespannt. :)
      Was ich ein klein bisschen störend finde, ist das Buchcover von Ella & Micha in deiner Rezi (auch bei Darkest Red).

      Glg
      Micha

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    4. :-) Aussagekräftige Rezi - teilweise dachte ich bei etlichen Sätzen meine Rezension zu lesen, die ja am Mittwoch online geht. Aber die ist ja schon etwas länger fertig gewesen ***
      Bin schon mal gespannt, was du zum Thema schreibst.
      Mehr schreib ich erst mal nicht, da ja doch jeder seine eigene Meinung hat
      Liebe Grüße Hanne

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    5. Eine sehr schöne Rezension. Deine Meinung kann ich nur bestätigen. Im Gegensatz zu Dir war ich allerdings nicht verstört, sondern manchmal regelrecht geschockt....
      Liebe Grüße
      Tanja

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    6. Hallo! Wirklich tolle Rezension!
      Ich habe es auch gelesen und kann mich jetzt nur noch nicht so richtig entscheiden, wie viele Punkte ich vergebe :)
      Alles Liebe,
      Jule ♥

      Würde mich freuen, wenn du auch mal bei mir vorbeischaust:
      http://good-books-never-end.blogspot.de/

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    7. Ich war und bin während und nach dem lesen dieses Buches echt sprachlos. Wie du schon selbst sagst, ist das Alter der Autorin im Hinblick auf die geschriebene Geschichte wirklich beeindruckend.

      Ich habe auch ganz viele Textstellen gefunden, die ich eigentlich nur zum Teil zitieren wollte und schlussendlich eine Zitat-Rezi erstellt habe. Wirklich wahnsinnig gut!

      <3

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