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6. Januar 2014

ES WIRD KEINE HELDEN GEBEN // Killerspiele, Medien und ihre Auswirkung auf potentielle Amokläufer



Machen Killerspiele aus Jugendlichen wirklich Killer? Welchen Einfluss haben Medien und Musik? Nachdem ich "Es wird keine Helden geben", den Debütroman von  Anna Seidl gelesen hatte, waren dies einige der Fragen, die mir noch nachhaltig durch den Kopf gingen. Meine Rezension zu diesem Roman konntet ihr ja bereits gestern auf meinem Blog lesen.... nun ein paar andere Gedanken zum Buch....

Nach jedem schrecklichen Amoklauf kann man in den Medien die Erklärungsversuche und Ursachenforschung mitverfolgen. Oft werden natürlich sofort "Egoshooter-Spiele" in den Fokus gerückt. Setzen diese "Ballerspiele" die Hemmschwelle der potenziellen Täter  wirklich soweit herunter, dass es zu solch schrecklichen Taten kommen kann? Gewöhnt man sich an die Gewalt in der virtuellen Welt so sehr, dass man sie in die reale mit nimmt? Ich für meinen Teil lehne diese Art Spiele grundsätzlich ab und werde auch meinem Sohn ganz sicher nicht erlauben, diese zu spielen. Dennoch frage ich mich, ob die Antwort auf die Suche nach den Gründen wirklich so einfach ist. Bei den (deutlich älteren) Kindern meiner Freundinnen gibt es durchaus den ein oder anderen, der diese "Ballerspiele" spielt, nichtsdestotrotz halte ich sie nicht für gewalttätig oder gewaltverherrlichend ...
Vielmehr sind es wohl die persönlichen Erfahrungen wie z. B. Schulprobleme, Ausgrenzung, das Verhalten und der Umgang mit Problemen innerhalb der Familie, die einen nährenden Boden für die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen bildet. Vielleicht verstärkt das spielen dieser Games den Wunsch zu töten ... aber lösen sie alleine dies aus? Ich denke nicht. Förderlich sind sie in keinem Fall und mein Verständnis für Eltern, die ihren Kindern solche Spiele erlauben, hält sich in Grenzen.

Die Suche nach Infos für diesen Beitrag führte mich unter anderem auf diese Seite
http://elearn.hawk-hhg.de/projekte/medienidentitaet/
Dort fand ich folgendes Zitat des Trierer Jugendschutzbeauftragten Carsten Lang:
" ... Wenn ein Mensch gewalttätig wird, kann es sein, dass dieses Killerspiel das Fass zum überlaufen gebracht hat. Die Frage, die wir uns aber vor allem stellen müssen, wer hat das Fass vollgemacht? ... "
Ebenfalls auf dieser Seite wurden als mögliche Auslöser oder Motive der Tat
Verlust der Ehre, Zurückweisung durch eine geliebte Person, Rachewunsch oder Wahnvorstellungen genannt... .Rückblickend auf "Es wird keine Helden geben" erscheint mir dieser Roman nun noch realistischer, als ich ihn eh schon in Erinnerung hatte....


Am 20. November 2006 veröffentlichte n-tv.de im Wortlaut von der Internet-Seite des mutmaßlichen Amokläufers von Emsdetten den Abschiedsbrief. Die Polizei stufte das Dokument nach ersten Erkenntnissen als authentisch ein:
authentisch ein:


" ... Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich. Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt die mich nicht sein lassen will wie ich bin. Ihr habt euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor! ... "


" ... Mir wurde bewusst das ich mein Leben lang der Dumme für andere war, und man sich über mich lustig machte. Und ich habe mir Rache geschworen! Diese Rache wird so brutal und rücksichtslos ausgeführt werden, dass euch das Blut in den Adern gefriert. Bevor ich gehe, werde ich euch einen Denkzettel verpassen, damit mich nie wieder ein Mensch vergisst! Ich will das ihr erkennt, das niemand das Recht hat unter einem faschistischen Deckmantel aus Gesetz und Religion in fremdes Leben einzugreifen!
Ich will das sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt! Ich will nicht länger davon laufen! Ich will meinen Teil zur Revolution der Ausgestossenen beitragen!
Ich will R A C H E ! ... "

http://www.n-tv.de/politik/dossier/Abschiedsbrief-article199956.html


Ganz ehrlich, nachdem ich diese Zeilen gelesen habe, musste ich erst einmal tief durchatmen und eine Pause machen ...


Auch die Medien spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Durch die ausführlichen und detailreiche Berichterstattungen lösen sie vielleicht erste Ideen für die Tat aus oder führen zur Identifizierung mit vorherigen Tätern.  Mögliche Täter fühlen sich durch diese Aufmerksamkeit auch in ihrer Idee bestärkt, wenn sie sehen, welchen Bekanntheitsgrad er durch solch einen Amoklauf bekommt.


In einem Interview mit evangelisch.de sagte der Medienwissenschaftler Hans Mathias Kepplinger:


"... Die Medien sollten sich darauf konzentrieren, die wichtigen Fakten darzustellen und Spekulationen oder detailreiche Veranschaulichungen vermeiden. Besonders zurückhaltend sollten Medien mit Bildern umgehen, da diese stark emotionalisieren und stärker und länger im Gedächtnis bleiben als jedes gesagte oder geschriebene Wort. Medien sollten zudem den Täter nicht in einer herausgehobenen Rolle präsentieren, auch dann nicht, wenn der Täter kritisch oder negativ dargestellt wird. Nachfolgetäter sehen die Täter nämlich ohnehin nicht negativ, sie identifizieren ihn vielmehr als Vorbild. ... "
Den letztendlichen Grund, den Tropfen, der das Fass zu überlaufen gebracht hat, wird man wohl nie 100 % bestimmen können. Das Ende ist jedoch eine grausame Tat mit vielen unschuldigen Toten.



Seit 2000 gab es an deutschen Schulen 5 Amokläufe. Von den USA ganz zu schweigen. All diesen Opfern möchte ich an dieser Stelle gedenken.



Amoklauf von Eching und Freising, Februar  / 2002 3 Tote, 2 Verletzte
Amoklauf von Erfurt, April 2002 / 17 Tote, 7 Verletzte
Amoklauf von Emsdetten, November 2006 1 Toter / 37 Verletzte
Amoklauf von Winnenden, März 2009 / 16 Tote / 11 Verletzte
Amoklauf von Ansbach, September 2009 / 3 Verletzte






Mit ähnlichen Themen beschäftigen sich heute, im Zuge der Veröffentlichung von "Es wird keine Helden geben" einige Bloggerinnen. Schaut doch auch dort mal vorbei...

Micha von http://michasbuechertraeume.blogspot.de
Favola von http://www.favolas-lesestoff.ch/ 
Vanessa von http://vanessas-buecherecke.blogspot.de/
Kathleen von http://kathleens-buecherwelt.blogspot.de/
Friederike von http://friedelchen.blogspot.de/SaFi (Sabrina) von http://bookwives.wordpress.com
Julie Christin von http://zuckerwattewelten.blogspot.de

Jessica Becker von http://www.freakin-minds.de

Jessica Wagner von http://jessisbuecher.blogspot.de/
Julia Müller von http://buecherwurm2punkt0.blogspot.de

Susen/Waldschrat http://chaosqueeninaction.wordpress.com









Ausserdem gibt es auf Lovelybooks eine Leserunde für die ihr euch noch 3 Tage lang bewerben könnt.





Ab dem 10.01. wird es auch ein Gewinnspiel geben ;)



Kommentare:

  1. Hallo Nicole,

    ich finde deinen Beitrag sehr interessant. Der Abschiedsbrief ist wirklich sehr erschreckend und ich finde die Tatsache, dass er wirklich "echt" ist, macht das ganze nochmal erschreckender. Realer. Ich hoffe, dass so etwas nie wieder passiert...

    Lg
    Micha

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  2. Hi Nicole,

    ich habe geade deinen Beitrag gelesen und mir ging es nach dem Lesen der Zitate genau wie dir, ich musste echt erstmal durchatmen. Wenn diese Zitate einem nicht die Augen öffnen, dann weiß ich auch nicht. Das gibt mir sehr zu denken. Danke für den Beitrag.

    LG
    Anja

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    1. Die Arbeit an diesem Post hat mich echt richtig mitgenommen. Je tiefer man in dieses Thema eintaucht desto bestürzter ist man ... :(

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  3. Ich finde das in dem Abschiedsbrief gut rüberkommt, das nicht jeder Mensch gleich ist und nicht jeder gleich mit verscheidenen Situationen umgehen kann.
    Deswegen muss ein umdenken her!

    Toller Beitrag

    Gretz Katja

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    Antworten
    1. Danke Katja, ich war ein wenig nervös wie der Beitrag aufgenommen wird....

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  4. Ein sehr bewegender Beitrag. Hast du wirklich sehr gut ausgearbeitet.
    Ich selber komme aus Erfurt und mir ging der Amoklauf hier an der Schule sehr nah. Es ist immer schrecklich wenn so etwas passiert =(
    Ich bleibe als Leserin hier und wünsche dir einen tollen Wochenstart.
    LG Sunny

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    Antworten
    1. Vielen Dank für das liebe Kompliment. Ich gestehe, ich hab mich ein wenig schwer getan mit diesem Text. Manches fällt einfach schwer zu beschreiben....

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  5. Hallo Nicole,

    nun nach längerer Pause möchte ich mich gerne wieder aktiver beteiligen und dieses Thema, hat auch mich gepackt. Ja, es ist wirklich schlimm und man fragt sich auch als Eltern ...wie geht man mit seinen Kindern/Jugendlichen um. Kann man sowas verhindert....

    Vielleicht sollte man den allgemeinen Umgang mit seinen Kinder/Mitmenschen einfach mal überdenken, denn Worte schmerzen mehr als ein Schwert. Ist im übertragenen Sinne gemeint.

    Denn wie oft beleidigt man einfach so Leute...oder?

    LG..Karin...

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    1. Karin :) hab dich schon vermisst. Schön dass du wieder da bist und ja du hast recht - Worte schmerzen mehr als ein Schwert

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  6. Hallo Nicole,

    ich habe diesen Post sehr aufmerksam gelesen. Das Thema Amoklauf an Schulen ect. ist ein heikles Thema. Die Zitate waren schon erschreckend. Doch erschreckender fand ich immer diese Reportagen und Schuldzuweisungen. Ganz schlimm war es ja in Amerika, auf die Fragen was junge Leute zum Amokläufer macht, wurde ja ständig gesagt "Marilyn Manson" "Killerspiele" "Metal Musik" ect.

    Auch gab es vor ein paar Jahren die Vermutung, dass Amokläufer ein gewisses Raster aufweisen: Sind geübt im Umgang mit Waffen (durch Schützenverein z.B.), hören die böse böse Musik und spielen Killerspiele.

    Demnach wäre ich doch tatsächlich ein Amokläufer-Kandidat! Gerade Medien stricken sich sowas viel zu leicht. Es geht wie du schon in deinem Beitrag erwähntest auch ums Umfeld, um die Vergangenheit.
    Es ist schwer, die Psyche wirklich zu entschlüsseln und man wird so etwas nicht vorbeugen können. Mobbing ect. sind an Schulen so stark vertreten, dass jeder Schüler zum Amokläufer werden könnte. Gewalt zu Hause ist auch ein Thema, dass leider nicht selten ist.

    Hoffen wir einfach, dass wesentlich mehr Kids und Jugendliche, aber auch Erwachsene, den richtigen Weg wählen, darüber zu sprechen, denn so könnte das Schlimmste vermieden werden. Und das Schlimmste muss nicht unbedingt ein Amoklauf sein.

    Liebe Grüße
    Die Grinse

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